Am 28. November 2017 spielten die legendären Schweden Mando Diao im Kaufleuten Zürich. Wie sich der einstige Geheimtipp gegenüber des Zürcher Publikums geschlagen hat? Nackt! Ok, fast nackt…

Auf diesen Dienstag freute ich mich schon lange. Als im Mai dieses Jahres verkündet wurde, dass die für arrogant gehaltene Band nach Zürich kommt, wusste ich wo ich an diesem Tag stehen werde, in der ersten Reihe.

Ok, die erste Reihe war es nicht, nein es war auch nicht die Letzte. Es war ehrlich gesagt ein super Platz, vor allem für Leute unter 1.60cm :) von meinem erhöhten Stehplatz sah ich wunderbar auf die Bühne und begutachtete die Glatzen, graue Haare und sonstige Frisuren des Publikums. Die deutsche Vorband Razz verpasste ich leider knapp.

Um 20.30 Uhr ging es dann los. Die Lichter im Klubsaal wurden gelöscht, die Bühne glänzte im flimmernden Strobolicht. San Francisco Bay erklang, mit ausgiebigerem Gitarren-Intro als üblicherweise. Die Leute schrien und begrüssten Mando Diao mit hochgestreckten Armen.

Wie sich Musik fünfzehn Jahre später anfühlt

Da waren sie also, meine Helden aus der goldenen Teenagerzeit. Die Eintrittskarte, zusammen mit The Vines, The Hives, The Kooks und noch einigen anderen, in das für mich absolut favorisierende Indie-Rock Genre. Ehrlich gesagt kann ich es mir nicht erklären warum ich fünfzehn Jahre brauchte, um an ein Konzert von ihnen zugehen!

Ich war immer noch gespannt, was kommt als nächstes? Natürlich Songs des aktuellen Albums Good Times. Nach dem intensiven Intro flaute die Stimmung kurz ab. All the Things konnte da nicht weiterhelfen. Dafür aber Sweet Ride mit den schnellen Gitarrenriffs und dem impulsiven Schlagzeug-Intro.

Wo bleiben die Klassiker?

Bei Mr. Moon, einem ihrer Klassiker, sang sich Mando Diao in die Zürcher Herzen. Handy-Lichter schossen in die Höhe und romantisch wurde von links nach rechts geschunkelt. Ich hoffte innig auf den Song Sheepdog aus ihrem Debütalbum Bring‘ Em In, war leider nichts. Halb so wild.

Highlights waren als der Gründer und Frontsänger, Björn Dixgård, zu den Songs Good Times oder auch The Band die Leute animierte und gefühlte hundert Mal fragte „Zurich are you here“ oder „Zurich are you ready“. Jaja, sind wir, für meinen Geschmack hätte das ruhig weniger sein können, dafür mehr Rock und Bässe.

Wenn alle nur auf einen Song warten

Irgendwann wurde es Björn schlichtweg zu heiss, die Stimmung war ausgelassen-fröhlich und eben auch ziemlich heiss. Er zog sein Shirt ab und natürlich musste das Publikum dies entsprechend honorieren, mit Gekreische. Dem guten Björn schien das nicht laut genug, er stand an den Bühnenrand und spitzte seine Ohren Richtung Masse. Lauter muss es sein. Gesagt, getan. Irgendwann war es dann genug laut und Down in the Past ertönte. Yes, dieser Song ist auch dreizehn Jahre später noch geil. Mit Gloria packten die fünf einen weiteren Hit raus. Das Publikum sollte mitsingen, was aber kläglich scheiterte. Das Wort Gloria war verständlich, alles andere war irgendein Gemurmel.

Schon fertig ohne DEN Hit?

Um 21.50 Uhr winkten Mando Diao noch einmal dem Publikum zu und verabschiedeten sich mit Ochrasy. Was?! Nein, das kann es nichts ein, sie haben den einen, ja DEN Song nicht gespielt! Sie kommen garantiert nochmals raus… Zack, kamen sie. Ihre Zugabe war Child. Ernsthaft? Child? Nein, common. Einen so ruhigen Song als Zugabe… Eine leise Welle von Enttäuschung durchströmte mich. Diese wurde sogleich abgebrochen. Shake drückte die Stimmung nochmals richtig hoch. Trotz des tanzenden Abschlusses sehnte sich das Publikum nach einem ihrer grössten Hits. Natürlich durfte Dance With Somebody nicht fehlen. Als der erste Ton erklang rasteten die Zürcher für einen kurzen Moment aus.

Insgesamt kochte die Meute fröhlich vor sich hin, zwischendurch köchelte sie, um kurz darauf wieder zu kochen. Die für arrogant abgestempelten Mando Diao’s fand ich nicht arrogant. Sie wissen was sie tun und zeigen das auch. Insgesamt ein unterhaltsames Konzert bei dem man vergass, dass es sich um einen Dienstag handelte.

Nackt in Zürich mit Mando Diao
8.3Gesamtpunktzahl
Bandauftritt8
Soundqualität10
Atmosphäre7.5
Publikum6.8
Organisation9