The Gardener & The Tree feiern insbesondere seit der Veröffentlichung ihrer ersten LP 69591, LAXÅ am 08. Juni 2018 grossen Erfolg. Und nicht nur die Schweizer Radios lieben die sympathischen Schaffhauser: Auch älteren Herren aus der Romandie und schwedischen Fischen treiben sie das Wasser in die Augen. Grund genug, mich am Samstagnachmittag des Gampel 2018 mit Frontsänger Manu zum Interview zu treffen.

Die letzten beiden Produktionen haben beides Namen eines schwedischen Ortes, Mossbo und 69591, LAXÅ. Nächstes Mal: Wieder auf Schweden oder ein ganz anderer Ort?

Mal schauen, wo es uns hinzieht.

Ist noch nichts geplant?

Nein, es ist noch nichts geplant. Das ist am besten, nie planen.

Habt ihr schon einmal in Schweden gespielt?

Ja, also nicht im grossen Stil, da, wo wir ein paar Leute kennengelernt haben. In einem Festzeltchen haben wir mal gespielt, in einer Scheune und auf einer Insel ganz für uns und die Fische.

Die wissen das bestimmt auch zu schätzen.
Auf Social Media seid ihr extrem präsent, also beinahe täglich kommt was raus. Ist da ein Medienteam, welches euch unterstützt?

Nein, wir haben einen Manager, Claudio Keller, dann wir als Band und natürlich noch einen Techniker, aber wir sprechen uns mit Claudio ab und er schreibt das. Einmal englisch, einmal deutsch, es ist jetzt nicht mega geplant, es sind einfach Posts aus unserem Bandleben. Manchmal wären wir gerne noch ein wenig persönlicher oder möchten etwas mehr aus dem Alltag bringen, eine Art Goodies, aber das ist teilweise ziemlich aufwändig und wir sind froh, dass das Claudio macht. Wir bekommen auch sehr viele Nachrichten von unseren Fans. Und wir schaffen es leider nicht allen zu antworten. Manchmal gehen sie auch unter, weil jemand von der Band bereits auf gelesen geklickt hat und viel zu spät merkt man dann wie süss diese Mail doch war und wir viel zu spät sind mit Antworten.

Hast du das Gefühl, man muss inzwischen so präsent sein auf Social Media, damit man längerfristig hängen bleibt – gerade bei so einem jungen Publikum?

Ich weiss es nicht. Also ich selbst bin nicht extrem medienpräsent. Privat sind wir alle keine grossen Facebook-Fans. Ich denke jedoch als Band ist es ein super Weg, um etwas den Leuten etwas zurückzugeben. Wir wollen nicht einfach unsere Show spielen und uns dann wieder verpissen. Die Fans sollen was von unseren Eindrücken miterleben. Es ist auch sehr eindrücklich, wie viele Leute diese Leidenschaft mit uns teilen.

Habt ihr auch älteres Publikum? Und wenn ja, wie erreicht man es? Wie kommt man zur Mami/Papi-Generation?

Wie man zu denen kommt? Ich habe keine Ahnung. Auf was ich hoffe, also auch an Konzerten von anderen Bands, ist ein altersdurchmischtes Publikum. Wir haben auch ältere Leute. An einem Festival hatten wir einmal einen älteren Mann, er war bestimmt schon siebzig. Er hatte nach dem Gig geweint. Er kam zu uns und sagte auf Französisch mit Händen und Füssen, dass das Konzert ihn wahnsinnig berührt habe. Unsere Musik ist eingängig, sie ist einfach, es hat für jeden etwas. Es ist nicht hardcore, es ist auch nicht schwach… Eine gewisse Qualität, die alle anspricht, glaube ich.

Als Schweizer Nachwuchsband wird man gerne verglichen, aber man ist ja eine eigene Band und nicht die XY aus der Schweiz. Wie kann man sich da etwas abgrenzen? Was würdest du einer Band für einen Tipp geben, die jetzt noch nicht ganz da ist, wo ihr jetzt seid?

Überall spielen, den Namen sagen, abfeiern und nicht etwa noch selbst in der Band-Bio schreiben, dass man wie dieser oder jene klingt.

Als Musiker will man, dass möglichst viele Leute einem zuhören. Was möchtest du, was für ein Gefühl sollen die Leute nach einem Konzertbesuch oder nach dem Durchhören des Albums mitnehmen?

Mein Ziel ist es, dass sie das gleiche Gefühl bekommen, wie meines während des Songwriting; dass die Gefühle, die man in das Blatt und in die Musik steckt, wieder rückwärts aus der Musik rauskommen und beim Zuhörer rein. Bei einem Song ist das Gefühl vielleicht Heimweh, bei einem anderen vielleicht: „Scheisse, das habe ich auch durchgemacht, ich habe mein Herz voll reingegeben und dann hat es nicht geklappt.“ Einfach die Erlebnisse, die man sagt oder denkt und das sind alles Situationen, die jeder schon einmal erlebt hat. Vielleicht läuft dann eine Träne herunter oder man hat Gänsehaut, dann ist das schon schön.

Wenn es noch so ein bisschen „nachtönt“?

Ja, oder ein Chor, bei dem alle mitsingen, dann fühl ich mich wie ein kleiner Vogel.

Ihr seid gerade auf dem aufsteigenden Ast – eine meiner besten Freundinnen hat mir, als wir uns vor fünf Jahren kennengelernt haben, von ihrer Lieblingsband The Gardener & The Tree erzählt, damals hatte ich noch nie etwas davon gehört. Das war ja etwa dann, als die erste EP Revolution veröffentlicht wurde, seit dann hat sich einiges getan. Ihr arbeitet alle noch nebenbei, gibt es da langsam Kollisionsgefahr?

Ja, zwischendurch schon. Wir sind aktuell wirklich viel unterwegs und wir können uns sicher nicht beschweren. Wenn man hundert Prozent nebenbei arbeitet ist es schon viel und wir müssen dann jeweils den Modus wechseln. Du stehst um 06.30 Uhr auf oder beginnst bereits ums 06.30 Uhr mit der Arbeit. Nach harter Arbeit endet der Tag um etwa 17 Uhr, danach gehst du in den Konzertmodus. Dort wiederum sind wir sehr lange wach und stehen ebenfalls früh auf und bereiten uns auf die Gigs vor. So swichen wir immer hin und her. Die Routine kommt einem beinahe langweilig vor. Was sicher ein bisschen fehlt, ist der Urlaub und mal ein wenig Zeit für sich, aber alles hat seine Zeit.

Wäre es vielleicht auch langsam ein Thema bei der Arbeit zu reduzieren oder sogar jemanden fürs Songwriting freizustellen?

Nein, wir schauen, dass wir das immer gerecht verteilen können. Wir sind alle gleich daran beteiligt und wenn einer mal weniger macht, macht der andere dafür mal mehr Kaffee. Es gleicht sich aus. Wir wollen nicht, dass jemand Sonderrechte hat. Klar, ich fände es auch geil, wenn ich sagen könnte, dass ich Zeit um Texte zu schreiben bräuchte, aber wenn du mehr Zeit hast und sie bezahlt wird, ist sie wie weniger wert. Es ist vergleichbar wie wenn du eine Million erhältst, damit kannst du alles kaufen, machen und tun, was du willst. Wenn wir plötzlich überall unendlich Zeit geschenkt bekommen hat es nicht mehr den gleichen Wert. So wie es aktuell ist hat es hat einen Wert und das was du machst, hat einfach noch einen höheren Wert – Stellenwert – allgemein, weil du sie hart erkämpfst. Von daher ist es schon schön.

Das ist sehr schön. Bleibt ihr noch ein bisschen am Gampel?

Ja, noch ein bisschen, ich muss jedoch zeitig wieder gehen. Morgen wird die Kleine meines Bruders getauft und bei Familiensachen muss man auch dabei sein, das ist wichtig.

Warst du die letzten beiden Tage schon hier?

Nein, wir sind erst heute Vormittag angekommen. Ich würde gerne noch ein wenig bleiben. Ehrlich gesagt, nervt es mich auf der einen Seite ein wenig, dass ich keine Zeit habe. Auf der anderen Seite ist es auch gut so.

Gibt es Bands welche du dir gerne noch anschauen willst?

Ja, Kodaline wäre noch cool. Mal schauen, ich nehm’s, wie’s kommt. Wir sind jetzt sowieso die ganze Zeit an Festivals und ich will jetzt nicht sagen, man hat es gesehen, manchmal sind wird schon müde, dann ist ins Bett gehen auch mehr wert. Wenn du selbst eine Show spielst pumpt das Adrenalin einen Hoch – da fühlt sich eine Stunde wie zehn Minuten an. Danach folgt der Jubel des Publikums, sie verlassen das Gelände und danach erst merkst du, dass alles vorüber ist. Es ist wie eine Illusion. Sobald du im Backstage bist folgt wieder der gleiche Trubel.

Bier oder Whisky?

Eher Whisky. Bier sauf ich gar nicht.

Was säufst du denn im Backstage?

Wasser. Also eigentlich trinke ich gar keinen Alkohol. Es kommt mal vor, dass ich trinke und manchmal artet es auch aus, das ist jetzt seit etwa zwei Jahren nicht mehr passiert. Ich denk mir dann: Wenn ich noch ein Glas trinke, kann ich auch Wasser trinken, weil sonst kann ich nicht mehr fahren und spüren tu ich auch nichts. Ausser man hat es gern, aber Bier mag ich einfach nicht.

Ich bin mit den Fragen durch. Magst du mir noch eine Geschichte erzählen?

Nach den Gigs kommt man runter, guckt sich den Auftritt an und sinniert dann irgendwie auch über seinen Weg. Besonders, wenn das Publikum so mitmacht wie heute, dann gibt es viel mehr Emotionen. Es gibt Songs, da spiele ich sie hauptsächlich fürs Publikum. Heute jedoch, spielte ich das Lied für mich. Da strömen noch mehr Emotionen und es fliessen auch Tränen, wenn das Publikum drauf reagiert und mitmacht. Das ist recht eindrücklich.
Und noch zu guter Letzt. Manchmal denke ich an die Zeit mit sechzehn zurück. Damals, als ich in der Schule war und wir uns dachten, man könnte ja ein bisschen Musik zusammen machen. Dann durchgeht man nochmals all diese Phasen gedanklich, wir haben einander schon Geschirr angeworfen, eine Diva-WG… Und irgendwann kann man sagen, wir sind jetzt hier angekommen, wir machen unser Ding, sind uns treu geblieben und sind immer noch Freunde, auch wenn wir uns manchmal auf den Sack gehen. Es ist einfach eine gute Sache, die wir haben, und das schätzen wir. Wir sind uns auch bewusst, dass es ohne das Publikum nicht das gleiche wäre. Auf der einen Seite sagt man immer, es sei einem egal, was die Leute sagen. Auf der anderen Seite legt man auch viel Wert darauf, wie es ankommt bei den Hörern, damit man ihnen etwas geben kann. Heute war schön, weil wir gemerkt haben, dass wir echt was geben konnten. Und es wird empfangen, das war sehr geil.

Ist euch auch schon mal passiert, dass das Publikum in diesem Moment auf einem ganz anderen Planeten war in diesem Moment?

Es gab auch schon Konzerte, wo das Publikum einfach ruhig dort stand. Da fragt man sich als Künstler auch, ob man etwas falsch gemacht hat. Aber man merkt, dass sie es einfach genossen haben und es ist irgendwie, wie wenn man zuhause Musik hört. Du bist nebenbei noch irgendwas am machen und stösst einfach auf was und hörst ein bisschen Lieder, das geht so in dich rein und du verbindest deine Gefühle und Erlebnisse damit. Vielleicht bekommst du Gänsehaut oder beginnst zu weinen und dann ist es vorbei.