CRIMER
© Léonie Stalder

Ein Interview mit CRIMER hat (k)einen Haken

Am 09. März 2018 traf ich CRIMER im Gaskessel Bern zum Interview. Während der Rest der Crew ein Nickerchen hielt, hatten wir bei Cola und Bier trotz Sprachbarriere (Rheinthal vs. Bern) ein sehr erfrischendes und unterhaltsames Gespräch.

Heaven, Lord, Gods – Stichwörter, die in deinen Songs immer wieder vorkommen. Hast du einen Bezug zur Religion? Oder sind das einfach Stilmittel?

Ich habe eigentlich keinen speziellen Bezug zur Religion. In den Songs brauche ich diese Begriffe vor allem als Metaphern, da sie leicht verständlich sind. Aber als Kind haben wir alle zusammen vor dem Einschlafen gebetet, das ist eine schöne Erinnerung.

Welche Musik hörst du privat?

Hah, das ist eine gute Frage. Gerade mag ich diese eine Band richtig gerne, ich hab’ den Namen vergessen… Er fällt mir gerade nicht ein, aber Alex Cameron und Porches gehören dazu.
Ausserdem auch alles, was mit mir assoziiert wird – ältere Popmusik zum Beispiel. Was mich an der modernen Musikentwicklung extrem stört, ist, dass es praktisch keine klassischen Refrains mehr gibt; niemand singt mehr richtige Hooks. Meist ist es nur noch ein Hochschaukeln in ein Gebrüll, dann alle Instrumente so…

…tätsch-bumm?

…genau.

Also magst du so richtig klassischen Pop?

Ja, mit einem richtigen Refrain und gutem Hook.

So wie Believer von Imagine Dragons?

Ich weiss gerade nicht welches das ist. Ist das da, wo er so wie rappt? – Auf jeden Fall, nein, Imagine Dragons mag ich nicht. Du schon?

Für mich die beste moderne Popband

Tut mir leid…

Kein Problem. Nächste Frage, geht in eine ähnliche Richtung. Welche Personen – egal ob populär oder nicht – haben dich in deinem Sound beeinflusst?

Natürlich vieles, was auch mit mir in Verbindung gebracht wird, einige Vorbilder sind sehr leicht herauszuhören… – Parcels! Das ist die Band, nach der ich gesucht habe. Parcels höre ich im Moment sehr gerne.

Nach dem Release deines Debütalbums Leave Me Baby, was steht als Nächstes an?

So viel spielen wie nur möglich. Heutzutage kommt man mit den Alben nicht mehr weit, da muss man vor allem auf die Konzerte setzen. Wir haben jetzt viele Clubgigs und im Sommer einige Festivals. Danach – nun, danach kommt vermutlich schon wieder etwas Neues. Man muss am Ball bleiben.

Damit man nicht vergessen geht?

Ja. Es gibt einen feinen Grad zwischen zu wenig und zu viel Output, zwischen vergessen gehen und nerven. Vor Kurzem habe ich in den 20 Minuten Kommentaren gelesen: „Ihr hyped jetzt alle diesen CRIMER, ich kenn den nicht mal!“ Ich fand das lustig, aber er hat auch Recht. Wenn man zu viel in den Medien ist, haben die Leute vielleicht auch mal genug.

Verstehe… Nächstes Thema: Du spielst in England! Freust du dich?

Mega! Ich bin auch ein bisschen aufgeregt; es werden sehr viele Kritiker dort sein und zwar auch die, die so richtig böse sind. In der Schweiz mag ich mit meiner Musik ein Exot sein, aber in England haben sie vermutlich Hunderte wie mich. Aber es ist echt hammer nach London eingeladen worden zu sein und ich freue mich auf die Kritiken. Ich lese sehr gerne darüber, was fremde Menschen über meine Musik denken; Menschen, die nicht wissen, wie ich das gemeint habe.

Das finde ich eine sehr coole Einstellung. Sind denn noch weitere Gigs im Ausland in Planung?

Das Festival in London ist jetzt das Erste, das bestätigt wurde und eine Tour in Deutschland ist sicher in Planung. Aber natürlich würde ich gerne noch mehr ins Ausland; meine Musik ist nicht an einen Ort gebunden. Wenn du zum Beispiel Mundartmusik machst, hast du zwar oft eine grosse Fangemeinde in der Schweiz, weil das in ist, aber du kannst nicht wirklich ins Ausland gehen, weil dich da keiner versteht.

Im Internet bist du als One-Man-Band verzeichnet, aber heute bist du nicht alleine. Sind die beiden mitgebrachten Musiker angemietet oder gehören die fest zum Inventar?

Ich mache die Musik eigentlich schon alleine und bin bisher auch meist alleine aufgetreten. Aber ich habe gemerkt, dass ich mit einer Band freier auf der Bühne bin, schon alleine deshalb, weil ich nicht an ein Pedal gefesselt bin und ich mich richtig bewegen und tanzen kann.

Bist du vor einem Auftritt noch aufgeregt?

Alleine nicht. Aber mit der Band zusammen schon. Wenn du alleine bist, bist du der Einzige, bei dem etwas schiefgehen kann.

Vertraust du deinen Jungs nicht?

Dochdoch, das sind ja Professionelle. Also, Musiker.

Aha. Dann habe ich nur noch eine Frage für dich: Wo würdest du gerne mal auftreten?

Ich trete ja jetzt an vielen Orten auf und einige davon sind echt riesig, auf die freue ich mich natürlich sehr. Aber ehrlich gesagt, ist das Beste daran das Band-Feeling. Wir reisen jetzt zum ersten Mal so richtig als Band herum, diese Woche haben wir fünf Konzerte, gestern haben wir in der Westschweiz übernachtet. Ich glaube, ich könnte in der kleinsten Bruchbude spielen, solange das Feeling stimmt.