Am 13. und 14. April 2018 haben wir uns auf die Reise in die schönen Walliser Berge zu unserem Debüt ans Zermatt Unplugged 2018 gemacht.

30’000 Konzertbesucher – 81 Unplugged Konzerte – 38 Viertausender – 14 Bühnen – 11 Jahre – 5 Tage – 1 Matterhorn: Das war das Zermatt Unplugged 2018!

„Music comes first“ – so soll das Motto auch zur 11. Ausgabe des Festivals in der bekannten Winterdestination lauten. Wenn sich im Dorf auf über 1’600 Metern Höhe die Zeltstangen türmen und haufenweise Musikequipment angeschleppt wird, ist es wieder soweit: Das Zermatt Unplugged steht vor der Türe.

Ursprünglich entstand die Idee des Zermatt Unplugged zugunsten des Tourismus, denn es galt, die Saison um mindestens eine Woche zu verlängern. Inzwischen sind zur Festivalzeit schon fast die Kapazitätsgrenzen erreicht und die Haupttage waren bereits Wochen zuvor ausverkauft. Bekannte und unbekannte Künstler mit Potential wechseln sich auf den verschiedenen Bühnen ab und bescheren den Zuschauern ein vielfältiges Programm.

Die An- und Abreise sollte auf jeden Fall sorgfältig geplant sein, da sie je nach Wohnort einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Bei mir waren es insgesamt 3h und 38 Minuten. Dank den Direktzügen hält sich der ganze Trubel aber in Grenzen und auf dem Weg kann ich mich getrost musikalisch auf die auftretenden Künstler vorbereiten oder einfach nur schlafen. Zzzzz…

Das Festival

Wie ich mir habe sagen lassen, sind die Konzerte jeweils auf unterschiedliche Locations in ganz Zermatt verteilt. Vom 5-Sterne Hotel bis zur urchigen Berghütte ist alles vertreten. Locations, wie Schönegg, Mont Cervin Palace oder Gandegghütte sind nur einige der vertretenen Namen.

Als Erstes möchte ich mir zuerst einmal einen Überblick des Taste Village verschaffen, wo auch

Zermatt Unplugged 2018

© Jasmin Marti

die Zeltbühne nebenan steht. Vorbei an kleinen Holzchalets mit Sushi, Trüffelrisotto, Roastbeef-Sandwiches, einer Wurst-/Grillstation und Walliser Burger. Ich entscheide mich aufgrund meines Bärenhungers für letzteres. Gegen Abend sind die Temperaturen in der Zwischenzeit schon recht gesunken, aber ich bin gut ausgerüstet. Die Lagerfeuerstimmung, die (feucht-)fröhlichen Launen der Besucher um mich herum, die hübsche Shabby-Chic-Deko und die musikalischen Klänge im Hintergrund ergeben zusammen eine wirklich gemütliche Atmosphäre. Es ist wohl auch eines der wenigen Festivals mit eigenem Duft – echtem Lagerfeuergeruch.

Die Zuschauer

Die Zuschauer kommen natürlich nicht nur aus dem Kanton Wallis, sondern aus der ganzen Schweiz, wenn nicht aus der ganzen Welt. Dahin, wo sich kanadische Skitouristen und finnische Geschäftsleute sowie einheimische Bauern mit breitem Walliser Dialekt und aufgebrezelte Damen mit pinken Handtaschen über den Weg laufen. Bunt gemischt eben. Teilweise hatte ich – aufgrund von bisherigen Festivalerfahrungen – die Befürchtung eines allgemeinen Dorf-Besäufnisses, ich wurde jedoch eines besseren belehrt.

Die Musik – Freitag

Als Hauptacts von Freitag waren die Künstler Jack Savoretti und Jake Bugg geplant.

Welcome back, Jack!

Zermatt Unplugged 2018

© Jasmin Marti

Jack Savoretti war bereits vor zwei Jahren am Zermatt Unplugged und hat dieses Jahr seinen Auftritt in der ausverkauften Zeltbühne vor Sitzpublikum. Das Ganze Surrounding erinnert irgendwie an eine Zirkusshow – die Sitze sind mit flauschigem Schafsfell bestückt, das knappe (unplugged) Bühnenequipment steht und die Zuschauer strömen hinein. Mein Sitz in der hintersten Reihe lässt mich zum Glück nicht im Stich, ich habe zwar die Bühnennähe nicht ganz, aber dafür uneingeschränkte Sicht darauf. Als Jack Savoretti um 20.30 Uhr mit seiner Band auf die Bühne kommt, erfüllt er den (Zelt-)Raum mit einer wahnsinnig positiven Atmosphäre. Und seine Stimme erst! Über neunzig Minuten verzaubert er das Publikum mit seiner einzigartigen, rauen Stimme. Die übrigen Bandmitglieder, vor allem der Herr am Piano, ein Gastmusiker, sind noch das sogenannte Pünktchen auf dem i. Sänger Jack fühlte jeden einzelnen Ton, reizte die gesamte Tonpalette aus und sein ganzer Körper bewegte sich passend zu den Melodien. Mit Witz, Charme und hoher Musikqualität ist die folgende Standing Ovation des Publikums keine grosse Überraschung mehr. Ein gelungener Einstieg in das Festival!

Es geht direkt weiter zu Jake Bugg im The Alex. Seine vier Werke tummeln sich zurzeit alle in den UK-Charts. Der Herr im Alter von vierundzwanzig Jahren hat bereits zu spielen begonnen. Ganz alleine steht er auf der beleuchteten Bühne mit seiner Gitarre und wirkt irgendwie ein bisschen einsam – passend zu seiner Solo World Acoustic Tour. Nicht, dass es noch weitere Künstler gebraucht hätte, denn er performte genug für eine ganze Band. Seine Stimme hatte etwas Spezielles und ich kann mich bis zum Schluss nicht recht entscheiden, was es ist und auch nicht, ob ich das längerfristig toll oder doch eher störend finden würde. Sein Auftritt mit Songs wie Two Fingers beeindruckte jedoch allemal und in jungen Jahren alleine so auf der Bühne abzuliefern – Hut ab.

Zermatt Unplugged 2018

© Jasmin Marti

Einen kleinen Abstecher soll es für mich an diesem Abend – inzwischen schon eher Nacht – aber noch geben: Prince Jelleh als Newcomer Act im The Cavern. Die Band aus Winterthur ist mir bereits bestens bekannt und es ist nicht mein erstes Konzert von ihnen. Heimspiel sozusagen. Unglücklicherweise ist die Location bereits rappelvoll als ich dort ankomme und es gelingt mir mehr schlecht als recht ein einigermassen akzeptables Plätzchen zu ergattern. Nichtsdestotrotz höre ich mir gerne noch ein paar der Songs an, bis es mir dann effektiv zu warm und zu eng wird im Raum. Es ist wohl Zeit, nach Hause zu gehen.

Im Bett angekommen, kann ich auf einen gelungenen Start ins Zermatt Unplugged 2018 zurückblicken und freue mich auf den nächsten Festivaltag. Leider beginnt dieser bei mir bereits schon um 8 Uhr.

Die Musik – Samstag

Der Wecker reisst mich mehr oder weniger unsanft in der Früh aus dem Schlaf. Der innere Schweinehund holt zum Angriff aus, aber meine positiven Gedanken an den bevorstehenden Tag sind zum Glück schneller: Zeit zum Aufstehen!

Heute ist die Reportage mit dem jurassischen Rapper Sim’s und seinen Gastmusikern angedacht: Von 09.15 Uhr bis zu ihrem Auftritt um 13 Uhr begleiten wir die Band und halten fest, wie es bei einem Gig in über 2’500 Meter Höhe so abläuft:

Reportage

Am Samstagmorgen dürfen wir Sim’s aus dem Jura beim Auftritt in der Blue Lounge begleiten, mit im Gepäck hat er poetischen-, nostalgischen-, aber auch manchmal wütenden Rap und seine Gastmusiker. Seit 2014 ist er auf den Bühnen der (West-)Schweiz unterwegs, jedoch weit entfernt von Bling-Bling & Co.

Die Blue Lounge ist eine Berghütte, die sich im Wintersportgebiet Rothorn Paradise auf 2’571 Metern Höhe befindet. Je nach Wind und Wetter müssen hierbei die Auftritte auch schon mal kurzfristig abgesagt werden, da man teilweise erst am jeweiligen Vormittag definitiv planen kann.

09.15 Uhr
Pünktlich erscheinen alle am vereinbarten Treffpunkt beim Eingang der Talstation Sunnegga-Rothorn. Die einen wirken noch ein wenig verschlafen, die anderen sind gleich direkt von der gestrigen Party hierhin gekommen. Hauptsache ist, dass alle zumindest physisch vor Ort sind: Die Band, die Techniker-Crew und wir. Ein vorbepacktes rotes Transportwägeli inklusive Gitterwagen ist mit dabei und birgt im Innern das überschaubare Equipment der Band. Solche Aktionen können Bergbahnen mit deren fixen Infrastruktur natürlich vor (kleine) unbekannte Schwierigkeiten stellen, weshalb uns das Vorbeikommen am Drehkreuz erstes Ideenreichtum abverlangt.

09.30 Uhr
Die Bergbahn fährt los, alles ist mit dabei. Es ist ein bisschen eng mit all den Skiern der Passagiere und unserem Instrumentenwägeli. Nach 4,5 Minuten ist der Spuk dann aber auch schon vorbei.

09.45 Uhr
Angekommen beim Sunnegga-Blauherd geht es mit der 6er Gondel weiter zum Blauherd. Die Bahn wird bereits singend von der Band erwartet und sogleich in Beschlag genommen. Dann folgt das Einladen des Gitterwagens. Seitensitze runterklappen, Wagen einschieben, Türe zu. Ohne Komplikationen und in Sekundenbruchteilen geht diese Prozedur von statten.

Oben am Ziel angekommen folgt noch ein kurzer Marsch durch den Schnee bis zur Berghütte Blue Lounge, wo es erstmals eine heisse Tasse Tee zur Stärkung gibt. Das Wetter macht leider noch nicht so mit, es ist ziemlich bewölkt – nichtsdestotrotz sind bereits die ersten Ski- und Snowboardfahrer auf der Piste zu sehen. Sonnencreme ist aber trotzdem ein Muss!

10.00 Uhr
Die Musikinstrumente aus dem Gitterwagen werden zur Outdoor-Bühne (ohne Dach) gebracht und das Soundequipment aus der Berghütte geholt: Insgesamt 5 Cases, 4 Monitore, 2 Lautsprecher und 2 Subwoofer. Das sollte ausreichen. Das grössere Equipment, das man für all die Auftritte auf der Berghütte benötigt, wird übrigens im Voraus per Helikopter raufgeflogen.

Für die Techniker-Crew, David und Bruno, beginnen jetzt der Aufbau und das Verkabeln/Mikrofonieren mit anschliessendem Soundcheck.

11.30 Uhr
Erstmals Mittagessen. Die leckeren Flammkuchen mit Salat als Vorspeise lassen sich die Musiker und die Crew schmecken. Anschliessend geht es aber gleich wieder weiter an die Arbeit.

13.00 Uhr
Inzwischen ist die Blue Lounge trotz bewölktem Wetter ziemlich gut gefüllt. Auch draussen bei der Bühne sammelt sich eine immer grösser werdende Menschentraube vor dem Schauplatz und wartet gespannt. Die Aussicht auf die schneebedeckten Berge und der darauffolgende Konzertbeginn sind wirklich fabelhaft! Und die Akustik ebenfalls.

Für die Band ist es eine Premiere, mit so tollem Ausblick zu spielen und für einen Auftritt erstmals das ganze Equipment in einer Bergbahn auf 2’571 Meter Höhe zu transportieren.

Es geht wieder abwärts – natürlich nicht im übertragenen Sinne, sondern mit der Bergbahn. Erstmals ein Nickerchen ist angesagt.

Etwas später am Abend, nach einem vorzüglichen Abendessen in Zermatt, geht es dann weiter mit Mighty Oaks im The Alex. Die Band hat sich ursprünglich in Berlin kennengelernt und macht nun seit 2010 zusammen (erfolgreich) Musik. Man kennt sie auch viel von Festivalauftritten letztes Jahr in der Schweiz und dementsprechend ist auch der Konzertraum rappelvoll. Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders haben allerdings noch weibliche Verstärkung mitgebracht, eine Dame an der Violine. Ich muss sagen, diese Violinentöne kombiniert mit der Musik von Mighty Oaks sind für mich das absolute Highlight dieses Konzerts. Bekannte Hits, wie The Great Unknown oder Storm bringen dann natürlich auch die Augen der anderen Zuschauer zum Strahlen und deren Hände zum Klatschen.

Für mich geht es nach diesem zweiten Festivaltag wieder langsam zurück zur Unterkunft. Begleitet werde ich auf dem Heimweg von entfernten musikalischen Klängen und einem klaren Sternenhimmel – gibt es einen schöneren Abschluss des Zermatt Unplugged 2018? Na gut, den Wecker am nächsten Sonntagmorgen um 05.00 Uhr hätte ich gerne weggelassen…

Zermatt hat jetzt erstmal Verschnaufpause. Nur noch der Schnee wird trotz absolutem Wetterglück an diesem Wochenende wohl noch eine Weile hier liegen bleiben. Au revoir!