Zeal & Ardor – Kultband und Überraschungsentdeckung zugleich – feierte ihr letztes Konzert im 2017 am 23. Dezember im Salzhaus in Winterthur. Dabei konnte man live erleben, was passiert, wenn Gospel auf Black Metal trifft.

Gospel und Blues soll mit Black Metal zusammengehen? Als ich hörte, dass jemand diese Kombination tatsächlich ausprobiert hat, war ich erst einmal skeptisch. Nach dem Auftritt von Zeal & Ardor an den Musikfestwochen Winterthur diesen August wusste ich aber, solche Fusionen sind tatsächlich möglich – und klingen nicht einmal schlecht. Aber von Anfang an.

Die Winterthurer Musikfestwochen sind bekanntlich dazu da, musikalisches Neuland zu entdecken. So entdeckte ich – ein wenig spät, aber besser spät als nie –  Zeal & Ardor. Das Musikprojekt eines Ami-Schweizers ist seit 2016 ein riesen Hype. Die Geschichte wurde schon hundertfach erzählt, diverse Medien, unter anderem sogar die Zeit, war neugierig auf den Sohn einer Waadtländerin und eines Amerikaners. Das Rolling Stone Magazin schrieb über die Musik, sie sei „eigenartig, unergründlich, wundervoll“.

Von der Langeweile zum Kultstatus

Wer trotzdem noch nichts gehört hat, die Geschichte in Kurzfassung: Gagneux, der in New York als Musiker durch die Clubs tingelte, wurde auf der Webseite 4chan dazu aufgefordert, „Nigger music“ und Black Metal zu mischen, da er aus Langeweile die User aufforderte, ihm zwei Musikstile zu nennen, die er in 30 Minuten zu einem Stück zusammenfügen könne. Den fertigen Song lud er auf Bandcamp, worauf er von einer amerikanischen Musikjournalistin entdeckt und auf Twitter geteilt wurde. Der Hype begann und Gagneux beschloss, ein Album aufzunehmen. Soviel zur Vorgeschichte, zurück ins Salzhaus.

Nach einer nicht enden wollender Vorband, die ich beim besten Willen nicht hören konnte, war ich ziemlich müde und nicht mehr sehr aufnahmebereit für den Hauptact. Kurz vor halb elf erlösten mich Zeal & Ardor aber. Die sechs Musiker starteten mit Kapuzen, die tief ins Gesicht gezogen waren, mit In Ashes.

Tarantino trifft auf Kirchenklänge

Eine Beschreibung des Stils ist schwierig, wenn man es nicht selbst gehört hat.Vielleicht so? Der Soundtrack von Django Unchained (Come On Down) trifft auf griechischen Priestergesang und satanischen Black Metal (Children’s Summon). Manchmal habe ich auch Kurt Cobain vor mir, bei einem anderen Mal fühle ich mich an das Konzert von Me and that Man zurück versetzt, ein Country-Projekt des Black Metal Musikers Nergal (Frontmann der polnischen Black Metal Band Behemoth).

Manuel Gagneux ist guter Stimmung und begrüsst Winterthur mit sympathischem Baseldeutsch: „Mir werdet sehr vil trinke, mached bitte mit!“ Gesagt, getan. Und weiter geht es mit Blood in the River. Man kann Country, Punk und Blues-Elemente ausmachen, immer wieder andere Assoziationen (einmal sah ich sogar Kurt Cobain vor mir). Alles ganz gemütlich könnte man meinen, ohne Probleme würde das im Radio gut ankommen – bis der gemütliche Südstaatenrock unsanft von Schreien und brachialen Gitarren unterbrochen wird – die Black Metal-Elemente eben. Neben begeistertem Headbangen light frage ich mich immer wieder mal, ob es mit Zeal & Ardor tatsächlich möglich wird, Black Metal einer breiteren Masse schmackhaft zu machen – ganz langsam, so Stück für Stück, immer nur ein paar Sekunden.

Der Teufel kommt zum Schluss

Das Salzhaus ist nicht ausverkauft, die Stimmung fühlt sich aber total danach an. Auch Gagneux bemerkt: „Salzhuus, ihr spinned!“. Obwohl er allen Grund dazu hätte abzuheben, beweist Gagneux am Schluss erneut Humor und Bodenständigkeit. Nach der leider viel zu kurzen Show (knapp eine Stunde), verschwindet die Band nach hinten. Als sie auf die Bühne zurückkehren, meint Gagneux cool: „Mir mached scho nomal eis, mir sind nöd zum Spass da füre cho!“. Und stimmt den wohl beliebtesten und bekanntesten Song an Devil is Fine. Der Teufel ist gut – ihm glaubt man das sogar.

Wenn Gospel auf Black Metal trifft
8.7Gesamtpunktzahl
Bandauftritt9
Soundqualität8
Atmosphäre7
Publikum9.5
Organisation10