Das Bad Bonn Kilbi-Gelände fügt sich in eine Landschaft mit ländlichen Feldern, dem Schiffenensee und einer Bio-Gartenlandschaft in Düdingen im Kanton Freiburg ein. Vom 30. Mai bis am 03. Juni 2018 konnten Musikliebhaber drei Abende lang neue Musik entdecken.

Wie die Jahre zuvor suchte man auch 2018 vergebens nach einem Headliner im Programmheft der Bad Bonn Kilbi. Nur wer sich vorher durch die Spotify Playlist der Kilbi durchgehört hatte, konnte sich den einen oder anderen Namen anstreichen. Vom letzten Jahr wusste ich, dass es sich bei fast jeder Band lohnt reinzuhören. Bei zwei Bühnen und einer dritten Lokalbühne im bekannten gleichnamigen Club Café Bad Bonn gab es dann auch ein paar Überschneidungen, die einem eine Entscheidung für die eine oder andere Band aufzwangen. Einen Besuch des Club lohnt sich aber auch durchs das ganze Jahr. Lokale Grössen wie auch internationale Interpreten beehren das sympathische Lokal regelmässig in grosser Vielfalt.

Am Donnerstagabend startete ich wuchtig mit Afro-Punk von Tshegue ins Festival. Sie wird diesen Sommer auch an den Musikfestwochen und am Paléo nochmals auftreten – man darf sich darauf freuen. Als letzte Band auf der Hauptbühne Donnerstagnacht wurde bei Nihiloxica die Stimmung sphärisch, fette Beats mischten sich gekonnt mit afrikanischen Trommeln.

Der musikalische Start in den Freitag gelang bereits am frühen Abend. Die hochschwangere Lido Pimienta aus Kolumbien/Kanada gab neben Tipps und Stories aus ihrer Heimat auch die schönen Klänge ihrer Stimme zum Besten. Indigene und Afro-Columbian-Sounds mischten sich mit Synthpop und elektronischer Musik.

Die Bühne zwischen den Bäumen am See

Etwas später schlenderten wir zum nahegelegenen Schiffenensee, wo die vierte, etwas kleinere Strand-Bühne aufgebaut wurde. In schönster Kulisse zwischen Bäumen am See klangen die sympathisch verträumte Stimme und die Country-Folk Gitarre von Melissa Kassab. Leider bekam ich dadurch La Tène & Guests, welche fast gleichzeitig auf der Hauptbühne spielten, nur noch kurz mit. Das Publikum dort war in grandioser Stimmung.

Aufgrund der erwähnten Spotify Playlist freute ich mich vor allem auf The Mystery Of Bulgarian Voices feat. Lisa Gerrard. Leider war die erste Hälfte des Konzertes zu leise abgemischt und das gut gelaunte Publikum nicht zur Stille zu bewegen. So kamen die Stimmen der Bulgarinnen erst beim zweiten Teil richtig zur Geltung. Neben vier Instrumentalisten begleitete der grandiose Beatboxer SkilleR die Band. Sein Solo war sehr überzeugend.
Gleich danach konnte das Publikum beim Auftritt von James Holden & The Animal Spirits abheben. Atmosphäre, Polyrhythmik, Jazz, Ethno und Electronica – alles war dabei.

Am Sonntag war ein wenig die Luft draussen. Der nerdige Frontman und Gitarrist von den Horse Lords konnte mit seiner Band musikalisch nochmals animieren, die Interaktion mit dem Publikum liess aber zu wünschen übrig.

Mit einer faszinierenden, wunderbar übernatürlichen Tanzshow und virtuoser Sängerin setzten Sevdaliza den perfekten Abschluss für mich. Auch einige Tage nach der Kilbi sind sie immer noch mein Highlight des Festivals, obwohl ich überzeugt bin, dass auch unter den Bands, welche ich nicht gehört habe, einige Perlen gewesen wären. Die letzte Energie konnte Samstagnacht bei Kult DJ Marcelle auf der Bühne tanzend verbraucht werden, bevor man sich für die Abreise am Sonntagmorgen präparierte.

Danke Bad Bonn Kilbi für die friedliche Stimmung, super Musikauswahl und perfekte Organisation mit kurzen Warteschlangen!

Where the hell is Bad Bonn?
9Gesamtpunktzahl
Line Up9.5
Soundqualität8
Atmosphäre10
Publikum9.5
Organisation9
Deko & Location8
Leser Bewertung 5 Stimmen
8.0