Sie schrieben Musikgeschichte. Wer kennt sie nicht? Songs, wie Sympathy For The Devil oder Gimme Shelter. Die legendären Altrocker alias The Rolling Stones (Support: The Struts) machen auf ihrer „No Filter Tour“ am 20. September 2017 halt im Zürcher Letzigrund.

Das persönliche Flugzeug ist bereits gelandet, die Gitarre von Keith Richards am Ort des Geschehens angekommen, das Fangejohle folgt noch. Für einmal sind es aber nicht die Fussballfans, die im Letzi aufmarschieren, sondern eingefleischte Rockfans.

Es ist Dienstagmorgen, die Temperaturen in Zürich relativ frisch und der Himmel wolkig. Heute habe ich die Ehre, mehr über den gewaltigen Produktionsapparat hinter den Konzertshows der Rolling Stones in Erfahrung zu bringen. Dale Skjerseth, Rolling Stones Production Director, wird uns persönlich in die Welt der gigantischen Live-Produktionen entführen.

Die Zahlen im Detail

Die Facts eines solchen Mega-Events sind atemberaubend und die Musiker kommen mit so einigem Geröll daher:

25 Produktions-LKW’s, 7 Crew Tourbusse, 1 Bühne (mitgeführt werden insgesamt jedoch 2 Stahlbühnen).

Dazu kommen 4 grosse Videoscreens,  Pyros – alles was das Fanherz höher schlagen lässt. Der ganze Tummult startet drei bis vier Tage im Voraus, wobei der Bühnenaufbau ungefähr acht Stunden benötigt. Über hundertvierzig Tourmitarbeiter sorgen am Vortag für einen reibungslosen Ablauf. Am Tag des Geschehens sind es dann über fünfhundert Engagierte (inkl. Security, Rowdies, etc.). Am Folgetag benötigt es weitere vier Stunden für den Abbau und um 18 Uhr ist der ganze Spuk bereits wieder vorbei.

Dale hat auch schon bei Bands wie AC/DC oder den Guns ’n‘ Roses mitgewirkt und ist bei dieser Tour der einzige Produktionsmanager. Seine Hauptaufgabe besteht darin, das ganze Equipment und alle Involvierten rechtzeitig von A nach B zu befördern und sicherzustellen, dass die Show reibungslos abläuft. Ganz nebenbei bereist er dabei auch noch die ganze Welt. Hart aber fair. „Mein grösster Albtraum nach all den Jahren ist, dass nicht alle und alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist“, verrät Dale schmunzelnd. Bisher hat jedoch immer alles geklappt, Holz anfassen! Im Vergleich zu früher fällt einfach auf, dass mehr Geld, Zeit und Kreativität in eine Live-Show investiert wird.

Die Stones werden nicht älter

Die Rollings Stones sind schon seit geraumer Zeit mit Herzblut Teil des weltweiten Musikgeschehens. Trotz oder eben gerade wegen ihres Erfolges, sind die Legenden auf dem Boden geblieben. Zu ihren Spezialwünschen gehören an erster Stelle ein sonniger Showtag ohne Regen (Anmerkung: Es gibt praktisch keine Wetterkonditionen, die zu einer Konzertabsage führen könnten), sowie der obligatorische Billardtisch im Privatbereich. Aber natürlich wünscht man sich in ihrem Alter auch eine entsprechend gute Gesundheit. Immerhin, Mick Jagger dreht mit seinem persönlichem Trainer regelmässig seine obligatorischen Laufrunden als Aufwärmtraining. Der absolute Vitalitätstipp, um mit vierundsiebzig Jahren noch so fit auf der Bühne umherzuspringen und pro Woche zwei Shows abzuliefern. Die Legenden werden nicht älter, sie lernen nur, wie man mit dem ganzen Rummel umzugehen hat – da könnten sich einige junge Leute eine gehörige Scheibe davon abschneiden.

Im Allgemeinen sei es sehr angenehm mit den Stones zusammenzuarbeiten. Die Professionalität ist auf einem hohen, freundschaftlichen Level. Zusammen plant man die kompletten Touren, vom Anfang bis zum Ende. Alles Routine, ohne viel Stress. Und doch bleibt da auch mal Zeit „to hang out with the boss“. Speziell ist sicherlich auch die Bandgeschichte per se: Die Band ist nicht mehr wegzudenken aus der Musikszene, hat eine grosse Loyalität gegenüber den Fans, viel mitzureden in der Musikindustrie und setzt somit natürlich hohe Standards.

„It’s hard to compare them to anybody. Other people get compared to them.“

Dale Skjerseth, Rolling Stones Production Director

Trotzdem haben die Stones ihre wilden Rockerzeiten langsam hinter sich. Statt Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll weilen sie lieber gemütlich mit Familie und Freunden im Hotel. Ob sie in Zürich noch auf Sightseeingtour gehen? Wahrscheinlich eher weniger, meint Dale Skjerseth. Obwohl sie die Privatsphäre hier in der Schweiz sehr schätzen, sind sie schliesslich nicht das erste Mal in Zürich und müssen morgen am Showtagmorgen brav zum Soundcheck antraben.

Sie müssen nicht, sie können

Die Rocker lieben übrigens Stadien, wie das Letzigrund. Ein typischer Konzerttag beinhaltet meistens zuerst den Soundcheck mit anschliessendem Vorbereiten auf die Show. Jeder hat seinen eigenen Bereich im Backstage und einen gemeinsamen Aufenthaltsort, wo Familie, Freunde und Gäste mit dabei sind. Sie sollen sich ganz wie Zuhause fühlen!

Für die abc Production AG wird das Konzert gemäss Geschäftsführer André Béchir sicherlich auch ein Höhepunkt. Es ist bereits die zwölfte Show für ihn und er ist gespannt auf das neuste Album der Altrocker. Sie seien momentan sehr inspiriert und legen eine grosse Spielfreude an den Tag. Das ist sehr bewundernswert, denn schliesslich „müssen“ die Musiker nicht mehr, sie „können“. Aus diesem Grund sind es jeweils auch nur kurze Tourneen mit zehn bis zwölf Gigs, danach entscheiden sie wieder von neuem, ob und wann die nächste Tour stattfinden soll. Das Wichtigste für ihn aber ist, dass die Rolling Stones pünktlich in Zürich angekommen sind!

„Sie zeigen einer ganzen Generation, dass Rock nicht tot ist.“

André Béchir, Geschäftsführer abc Production AG

Die morgige Setlist wird allerdings noch in grosses Schweigen gehüllt. Die Songwahl wird während der Tour stetig angepasst, je nach Lust und Laune. Ungefähr eine Stunde vor Konzertbeginn ist die Auswahl dann getroffen – wir sind gespannt!

Das war es nun von meinem Vorgeschmack auf das morgige Konzert von The Rolling Stones. Jeder Musikliebhaber sollte die Rocker in seinem Leben einmal live erlebt haben. Morgen bereits gibt’s die nächste Chance von 20.15 bis 22.30 Uhr mit über zwei Stunden Spielgenuss im Zürcher Letzigrund! Rock on!