Vom 08. bis 12. August 2017 wurde die Altstadt von Schaffhausen ins alljährliche Stars in Town verwandelt. Mit Damian Lynn, Kensington und Bryan Adams standen am Mittwoch, 09. August 2017 top Grössen der Musikszene auf der Bühne – Animation zum „Füdlischwingä“ inklusive.

Location

Alljährlich im August ist das Stars in Town ein Ort, an dem unzählige Menschen aufeinandertreffen. Sie sind stolz. Strahlen vor Freude. Sind gespannt. Es sind aber nicht nur die einzelnen Menschen, es ist eine ganze Region, die gemeinsam dieses Werk ermöglicht. Ob auf der Bühne, hinter der Bar oder im sonst irgendwo im Hintergrund – mit rund fünfhundert Helfern und geleisteten 15’000 Arbeitsstunden, prägen sie das Festival mit ihrem unermüdlichen Engagement, Zusammenhalt und Passion.

Rund achtundreissig Minuten Zugfahrt trennten mich vom Ort des Geschehens in der Schaffhauser Altstadt. Mit im Gepäck habe ich neben der Sonnenbrille auch noch meinen Regenmantel und einen extra dicken Pulli, man weiss ja nie. In den Gässchen wimmelt es bereits vor Leuten, Gerüche von Angus Burgern bis hin zu Momos steigen mir in die Nase. Gesichter voller Vorfreude strahlen mir entgegen. Ich bin angekommen.

New Talent Stage

Im öffentlichen Bereich befindet sich die sogenannte New Talent Stage. Eine Plattform, die neuen Musiktalenten eine Auftrittsmöglichkeit ermöglicht. Karavann, Fabe Vega, Madégras, Lovis, Shambolic Shrinks, Tawnee – viele Künstler von nah und fern geben da ihr Können zum besten. Meine Aufmerksamkeit galt an diesem Mittwochabend Jack Slamer aus Winterthur. Die fünf Jungs Mitte zwanzig haben ihr Herz an den 70er Hardrock verloren und versprühen ihre Energie am liebsten bei Liveauftritten. Groovig und in der Gesamtkomposition überzeugend. Nach dem Lauschen von Songs, wie Turn Down The Light, machte ich dann den fliegenden Wechsel in Richtung Hauptbühne.

Hauptbühne

Vor dem Einlass liess ich mir vom sympathischen Medienchef des Festivals, Urs Peter Naef, noch die nötigen Unterlagen geben und einen tollen Konzertabend wünschen.

Damian Lynn (18.30 Uhr): Der Krienser Singer-Songwriter ist auf der Überholspur. Im Radio stolpert man aktuell vor allem über den Song When We Do It, mit welchem ihm bereits schon so einige weibliche Fanherzen zugeflogen sind. Ein einfacher Leuchtschriftzug mit dem Künstlernamen zierte die Bühne, mehr brauchte es nicht. Damian Lynn enttäuschte das Publikum nicht und repräsentierte eine ganze Palette der Songs seines neusten Albums Truth Be Told (2017), animierte zum Mitmachen und kam mit seiner sympathisch-authentischen Art gut an. Da zeigten sich sogar noch einige Sonnenstrahlen an diesem Abend.

Kensington (19.45 Uhr): Eine Band, die ich noch nicht wirklich kannte und mir von einer schwärmenden Kollegin ans Herz gelegt wurde. Dabei handelt es sich aber nicht um den Stadtteil Kensington in London, sondern um die vierköpfige Rockband aus der Niederlande. Seit 2005 begeistern Sänger Eloi Youssef und seine Jungs die Anhänger des Indie-Rocks, sämtliche Heimatkonzerte sind ausverkauft. Seine kühle Miene und die markant-introvertierte Stimme brachten zusammen mit der Nebelmaschine etwas mystisches in die Show. Der Song Streets vom Album Rivals (2014) oder Sorry von der aktuellsten Scheibe Control (2016) könnte man kennen, nicht? Die Töne (da waren einige ziemlich Hohe mit dabei) traf er tadellos. Er sorgte sich ebenfalls um das Wohl seiner Fans in der vorderen Mitte, die aufgrund des lauten Basses leider überhaupt nichts hören konnten – merci Kensington.

Bryan Adams (21.30 Uhr): Das heutige Sternchen am Himmel. Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistert Bryan Adams Millionen von Musikfans weltweit. Mit der Vorfreude auf den Künstler folgte aber auch der Startschuss für den heutigen Regenguss. Der Multimediascreen auf der Bühne verlieh den fallenden Regentropfen einen Schimmer und liess alle Zuschauer sich in bunte Regenmäntel mit Kapuzen einpacken. Dabei machte ein gewisser Detailhändler gute Promotion mit seinen verteilten Goodie-Bags. Die multimediale Show begann. Auf dem Screen sah man Bryan Adams‘ Gesicht mit Grimasse in Grossformat, mit dabei eine summende Fliege und ein lauter Startschrei. Dann endlich. Der Kanadier zeigt sich im Liveformat auf der Bühne und begrüsste das Publikum mit „welcome to the most rainy show in the world“.

Der gestandene Mann ohne Starallüren hinterliess sogleich einen total sympathischen Eindruck und strahlte pure Lebensfreude aus. Can’t Stop This Thing We Started war passenderweise dann das Einstiegslied, dicht gefolgt von Go Down Rockin‘ oder Somebody. Mit dabei rockige Gitarrensolos, strahlendes Lächeln der Band in das durchnässte Publikum und energiegeladene Hüpfer auf der Bühne. Auch das Animieren der Fans zum – Zitat –  „Arschwackeln“  war mit auf dem Programm, inklusive drei „Füdlischwingende“ Bandmitglieder auf der Bühne. Stücke von seinem neusten Album Get Up! (2015) wurden zum besten gegeben und natürlich auch seine Klassiker Heaven, (Everything I Do) I Do It For You und Summer Of ’69 brachten alle lauthals zum Mitsingen. Ob der damalige Sommer auch so regnerisch war? In der vorderen Reihe links durfte ich Sänger Bryan Adams und Gitarrist Keith Scott hautnah miterleben, lediglich der 3m breite Bühnengraben war zwischen uns – wie schade!

Da jubelten sie auf dem grossen Kiesplatz, von den Balkonen aus, sowie hinter den Fenstern und ich summte leise Please Forgive Me, dass ich früher gehen musste, mit.

Was war wohl das Geheimrezept dieses Konzertabends? Was es auch war, es hatte etwas Magisches. Der regennasse Abend in guter Erinnerung, die letzten Akkorde noch im Ohr. Ab nach Hause ins Trockene.

Summer of '17
8.5Gesamtpunktzahl
Line Up9.1
Soundqualität8
Atmosphäre8
Publikum7.6
Organisation9.6