Am Freitag, 03. November 2017 pilgerte ich mal wieder ins Z7 nach Pratteln. In der Agenda dick angestrichen das Konzert von Unleash the Archers, Rhapsody of Fire und Orden Ogan. Eine Reise zum Himmel oder doch eher in die Hölle?

Um Punkt 19.00 Uhr steige ich in den ICE nach Basel SBB ein. Zu diesem Zeitpunkt wird mir bereits schmerzlich bewusst, dass ich mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die erste Support-Band Unleash the Archers verpassen werde. Kaum aus dem Zug in Pratteln ausgestiegen, beeile ich mich deshalb schnellstmöglich ins Z7 zu kommen. Von den Herren der Security wird mir sogar kostenlos ein übergebliebenes Ticket eines Gastes angeboten – nur habe ich mein Eintrittsbillett bereits. Man merke: Es gibt doch noch gute Menschen auf dieser Erde!

Meine Wahrscheinlichkeitsrechnung bewahrheitete sich, denn der Auftritt von Unleash the Archers ist inzwischen vorbei und das Publikum gesellt sich bereits in die Kälte. Einen Blick auf den Merchstand – oh, geiles Shirt – und weiter geht’s nach vorne. Ich platziere mich gleich vor dem Mischpult in der Mitte – mal schauen, was die Soundqualität so macht heute. Es kann losgehen!

Rhapsody of Fire

Auf der Bühne wird gerade wackelnd der Backdrop von Rhapsody of Fire in die Höhen des Z7 gezogen. Darauf zu sehen ist das Cover ihres neusten Werks Legendary Years (2017), das Bild eines sich öffnenden Tors aus Stein. Persönlich ist es mein erstes Aufeinandertreffen mit der Band und ich bin dementsprechend gespannt, was mir in den kommenden Minuten wohl dargeboten wird. Vielleicht eine Neuentdeckung? Im Raum wird es ruhiger, der Hintergrund wird mit rotem Licht eingeleuchtet, die Show beginnt.

Das Intro In Principio startet und die italienischen Power-Metaller erscheinen auf der Bühne. Begleitet von einer grandiosen Lichtshow (Lichttechniker sei Dank) spielen sie ihren ersten Song Distant Sky. Bereits jetzt bewundere ich das Stimmorgan des Sängers Giacomo. Diese hohen Töne! Beim vierten Song Dawn of Victory und somit schon fast im Mittelfeld habe ich meinen persönlichen Favoriten auserkoren. Der Refrain hat es mir hier definitiv angetan – irgendwie episch.

The Magic of the Swordmaster nehmen wir auch noch gleich mit, bis der Lockenschopf räuspernd zum Mikro greift. Ein bisschen kleinlaut gesteht er seinen heutigen Geburtstag – da bin ich bestimmt nicht die Einzige, die das versäumt hat – und wünscht sich ein „Happy Birthday“ singendes Publikum. Gewünscht, erfüllt.

„Happy Birthday dear Giaaacomooo“!

Wie es sich anhört spielt ja keine grosse Rolle, der Wille zählt. Es folgt ein sogenannter „Halloween Song“ mit ein wenig Growl-Elementen, die rote Bühnenfarbe ist dabei passenderweise sehr dominierend. Auch eine ruhigere Einlage haben die Italiener noch zu bieten, inklusive der Songwidmung „for your princess“. Da kommt schon fast romantische Stimmung auf mit all den Lichtern aus dem Publikum. Mit Emerald Sword und dem Outro Custode di Pace verabschieden sich die Tschinggen schliesslich mit einem gelungenen Gastspiel von der Bühne und mindestens einem Fan mehr.

Orden Ogan

Ich bin aufgewärmt, es kann weitergehen. Kurz hascht mein Blick auf die Uhr – zum Glück fahren am Freitag jeweils Nachtzüge. Bereits vor der Show erspähte ich oben an der Bühne als erstes zwei lebensgrosse „Gunmen“-Atrappen. Zuvor noch versteckt unter einer Plane, sieht man sie jetzt in lauernder Stellung. Mit dem Gewehr in der Hand und dem passenden Hut auf dem Haupt, bewegen sie mit rot leuchtenden Augen ihre Köpfe hin und her. Das lässt doch schon mal auf eine spannende Show hoffen.

Sebastian „Seeb“ Levermann und seine Jungs trauen sich dank diesen aussergewöhnlichen Bodyguards kurz später dann auf die Bühne. Die Power Metal Party kann weitergehen! Oder etwa doch nicht? Den Auftakt macht To New Shores of Sadness und F.E.V.E.R. – beide bekannt, nur habe ich mich wohl aktuell noch nicht mit diesem Fieber infiziert. Eine weitere grosse Chance doch noch zu überzeugen, ist der Track der gleichnamigen Tour und des Neulings Gunmen (2017). Oder dann der siebte Song auf der Liste Fields of Sorrow? Nein, auch nicht…

Ich kann nicht einmal genau sagen, weshalb mich die Show nicht recht überzeugen wollte. Hatte ich zu grosse Erwartungen? Ist es die Live-Stimme im Vergleich zum Album? Passt die Atmosphäre nicht mehr? Was es auch war, es machte sich etwas Enttäuschung in mir breit. Sicherlich werde ich den Herren von Orden Ogan eine zweite Chance bei ihrem nächsten Auftritt in der Schweiz geben, denn das neuste Werk ist absolut empfehlenswert und ein Muss für alle Power Metal Fans unter uns! In diesem Sinne: See you next time!

 

Setlist von Rhapsody Of Fire

In Principio (Intro)

Distant Sky

Dargor, Shadowland Of The Black Mountain

Flames Of Revenge

Dawn Of Victory

The Magic Of The Wizard’s Dream

Holy Thunderforce

The March Of The Swordmaster

When Demons Awake

Emerald Sword

Custode Di Pace (Outro)

 

Setlist von Orden Ogan

To New Shores Of Sadness

F.E.V.E.R.

Here At The End Of The World

Gunman

Deaf Among The Bind

Sorrow Is Your Tale

Fields Of Sorrow

The Lords Of The Flies

Come With Me To The Other Side

Forlorn And Forsaken

One Last Chance

Zugabe:

To The End

Angels War

We Are Pirates

The Things We Believe In

 

Himmel oder Hölle?
7.5Gesamtpunktzahl
Bandauftritt7
Soundqualität7.5
Atmosphäre7
Publikum7
Organisation9.2