Die Symphonic Metalband Nightwish beehrte zusammen mit Beast in Black das Hallenstadion Zürich am Donnerstag, 22. November 2018 mit ihrer Headliner-Show „Decades: World Tour“ und spaltet dabei die Gemüter.

Nightwish. Ein grosser Name in der Szene, über den ich schon einiges berichtet habe. Ende November 2018 stand ein weiteres Konzert der Band an, welches ich mir selbstverständlich nicht entgehen lassen konnte.

I. Decade: Vorfreude

Knapp vier Monate ist es her, seit Nightwish ihren letzten Schweizer Auftritt am Stars in Town Festival in Schaffhausen hatten – heute soll es ein freudiges Wiedersehen mit der Band geben. Das Publikum ist für einmal wortwörtlich etwas bunter gemischt. Die Vorfreude ist gross, die Erwartungen hoch.

II. Decade: Vorband Beast in Black

Das Spektakel verspricht mehr als pünktlich zu starten, nämlich um 19.29 Uhr mit der Vorband Beast in Black und des gleichnamigen Einstiegsongs. Die finnische Truppe ist aus der Sparte des Heavy Metals mit einer grossen Prise Power Metal. Sänger Yannis Papadopoulos hat es zu Beginn nicht ganz leicht, da es vorerst noch einige Aufwärmübungen fürs Publikum benötigt. Etwa in der Mitte des Sets geht es dann mit Born Again glücklicherweise mit grossen Schritten voran und die Band hat die Aufmerksamkeit der Nightwish-Fans. Crazy, Mad, Insane und End of the World lassen einem in die Höhen des Heavy Metals schwelgen und werden mit viel Energie auf der Bühne präsentiert. Ein gelungener Einstieg in den verheissungsvollen Konzertabend.

III. Decade: Headliner Nightwish

20.50 Uhr. Das Hallenstadion dunkelt ein, epische Klänge ertönen und die mystische Leinwandprojizierungen startet – die Menge ist mucksmäuschenstill. Eine tiefe Männerstimme lässt verlauten, dass wir bei dieser zweistündigen Reise „Decades: World Tour“ doch bitte auch die neuzeitigen Smartphones in der Hand- oder Hosentasche belassen sollen. Meinen Zuspruch haben sie da allemal – auch wenn für diesen Bericht irgendwie noch ein passendes Foto her muss. Dann beginnt ein Countdown und lässt die Wartezeit schrumpfen, bis Nightwish auf der Hallenstadion-Bühne mit steigendem Puls und tosendem Applaus empfangen wird.

Nach dem ersten Song Dark Chest of Wonders legen sie einen fulminanten Start hin mit dem bekannten Hit Wish I Had an Angel. Der Wechsel des multimedialen Bühnenbildes fasziniert dabei die leuchtenden Augen des Zuhörers beziehungsweise des Zuschauers. Ganz nach dem Tourmotto „Decades“ sind alle möglichen Alben mit alten und neuen Songs vertreten. Von Élan über I Want My Tears Back über The Carpenter und The Kinslayer. Mein persönlicher Favorit (da selten live erlebt) ist dabei eindeutig Dead Boy’s Poem, was ich in vollen Zügen genossen und mitgefühlt habe. Meine Beziehung zum Song Nemo – mein persönlicher Einstiegssong in die Metalszene – bleibt natürlich unbestritten. Und wer mit The Greatest Show on Earth das Ende eines fast zweistündigen Konzerts einleitet, der hat entweder genug Selbstvertrauen oder genug Erfahrung für gewisse Ironie – oder beides zusammen. Marco Hietala und Floor Jansen haben uns zusammen mit der restlichen Band ihre Lieder mit dem fantastischen Songwriting einmal mehr live nähergebracht. Das ist so oder so „unbezahlbar“ ist (mal abgesehen von dem Eintrittspreis☺).

IV. Decade: Nachgeschmack

Die letzten Klänge des Outros hallen noch nach, bei einigen haltet das Leuchten in den Augen noch lange an, andere mussten die Show zwecks letzten ÖV-Verbindungen bereits verlassen. Der Nachhall der Zuschauerstimmen spaltet sich in zwei Extreme: Die einen fanden die Show musikalisch und gesanglich wenig überzeugend, die anderen fanden es eine grossartige Show.

Meiner Meinung nach ist ein Vergleich mit einer früheren Besetzung der Band immer schwierig, ob positiv oder negativ. Ich persönlich freue mich jeweils auf die Live-Auftritte von Nightwish, da dann die Emotionen noch eine grössere Dimension einnehmen und ich die Liveklänge gepaart mit der multimedialen Show absolut schätze. Vielleicht bin ich durch meine rosarote Brille halt ein bisschen mehr geblendet als andere Fans. So haben wir auf jeden Fall auch nach dem Konzert noch ein paar anregende Diskussionen und schliesslich kann/darf/soll das jeder für sich selbst entscheiden – ich bin durchaus zufrieden mit dem Output.

Setliste von Nightwish, 22.11.2018

Intro (Swanheart performed by Troy Donockley)
Dark Chest of Wonders
Wish I Had an Angel
10th Man Down
Come Cover Me
Gethsemane
Élan
Sacrament of Wilderness
Dead Boy’s Poem
Elvenjig
Elvenpath
I Want My Tears Back
Last Ride of the Day
The Carpenter
The Kinslayer
Devil & the Deep Dark Ocean
Nemo
Slaying the Dreamer
The Greatest Show on Earth
Ghost Love Score
Outro (The Greatest Show on Earth)

Nightwish - Alle Jahre wieder
9.1Gesamtpunktzahl
Bandauftritt7.5
Soundqualität10
Atmosphäre9
Publikum9
Organisation10