Am Dienstag, 12. Juni 2018 beehrten Nickelback mit Unterstützung von Seether das Zürcher Hallenstadion. Ob die Halle tatsächlich bis zum Grund niedergebrannt wurde?

Nickelback – wer kennt sie nicht? Mit einigen bekannten Ohrwürmern hat uns die Rockband über die letzten zwanzig Jahre hinweg begleitet und wird es hoffentlich auch noch eine Weile weiter tun. Vor allem in meinem Umfeld beschweren sich die Leute oft ab den unbekannten Künstlern, die ich immer mal wieder gerne live verfolge. Dieses Mal konnte jedoch niemand behaupten, dass er den Main Act nicht kennen würde.

Tatsächlich haben sich die Kanadier bereits im Jahre 1995 zur Band Nickelback zusammengetan, um sich gemeinsam dem Rock zu widmen. Chad Kroeger (Gesang, Gitarre), Mike Kroeger (Bass, Backgroundgesang) und Ryan Peake (Gitarre, Backgroundgesang) sind seither fester Bestandteil der Truppe. Der Name kommt übrigens von Mikes‘ regem Gebrauch des Satzes «Here‘s your nickel back» bei seiner damaligen Arbeit bei Starbucks. Und schon hatten die Jungs den passenden Bandnamen.

Seether

Der Beginn der Supportband ist angedacht auf 19.30 Uhr, wir müssen also etwas Gas geben. Tickets abholen, Security passieren, Food & Drinks besorgen und Sitzplatz (ja, es sind Sitzplätze) finden. Kaum haben wir unsere Plätze eingenommen, zählt mein werter Schreibkollege noch den obligaten Countdown runter und dann dunkelt es tatsächlich auf die Sekunde genau ein. Das rote Bandlogo von Seether dominiert auf schwarzem Hintergrund und sieht schon einmal vielversprechend aus. Es kann losgehen!

Oje! Steckt der Tontechniker etwa noch auf der Toilette fest oder wieso hört sich das so entsetzlich an? Wie einige von euch ja schon wissen, kenne ich die Band sehr gut und war auch bereits auf mehreren Konzerten anwesend (unter anderem sogar mein erstes Konzert im härteren Musikgenre). Was ich jedoch jetzt gerade von ihnen zu hören bekommen muss, schmerzt mir in den Ohren. Die Instrumente und der Gesang sind absolut nicht aufeinander abgestimmt und die Akustik lässt sehr zu wünschen übrig.

Sänger Sean war sicherlich noch nie der grosse Publikumsredner, aktuell wirkt das Ganze jedoch recht mühselig. Auch bekanntere Songs wie Broken, Fake It, Country Song oder Remedy gehen in der Halle etwas unter. Von der blau-grünen Lichtshow fangen wir gar nicht erst an. Ich freue mich auf alle Fälle wieder auf ein intimeres Clubkonzert von ihnen.

Setlist:

Stoke The Fire
Gasoline
Rise Above This
Words As Weapons
Betray And Degrade
Country Song
Fine Again
Broken
Let You Down
Fake It
Remedy

Nickelback

Noch während des Anstehens für Getränkenachschub hören wir ominöse Stimmen aus den Lautsprechern und trauen unseren Ohren kaum. War der Start des Headliners nicht erst auf 20.45 Uhr geplant? Ah, Fehlalarm! Es ist wohl nur ein Intro auf der multimedialen Rückwand – puh, wir haben noch nichts verpasst. Im Gegenteil, wir sind sogar gerade wieder rechtzeitig auf unseren Plätzen, bevor die Band unter tosendem Applaus auf die Bühne tritt. Zwar nicht ganz pünktlich, aber etwas Starallüren müssen schliesslich auch sein. Ausverkauft ist die Show meines Wissens zwar nicht, das Hallenstadion ist dennoch gut gefüllt.

Nickelback begrüssen erstmal ihre Fans in der Schweiz, erzählen von ihrem konzertfreien Vortag in Zürich und plaudern aus dem Nähkästchen. Gleich ins Rennen gehen die Jungs mit Feed The Machine, gefolgt von Woke Up This Morning und dem Hit Photograph.

«Look at this photograph –
Every time I do it makes me laugh»

Anfängliche tontechnische Schwierigkeiten sind zwar nach wie vor auszumachen, jedoch verbessert sich die Akustik im Laufe des Auftrittes enorm. Das Lichtkonzept ist in der Zwischenzeit auf die Schweiz angepasst, passenderweise abwechselnd in den Farben rot und weiss. Rege genutzt wird während den Songs auch die Multimediashow im Hintergrund der Bühne.

Variierend präsentieren Nickelback dem begeisterten Publikum einmal rockige Hits wie Something In Your Mouth und sanfte Balladen wie Lullaby. Zwischendurch holen sie sich noch Sympathiepunkte mit ihrem kanadischen Witz und Charme – und dies nicht nur beim weiblichen Publikum. Die Bierbestellung via «Beer on stage!» direkt aus dem Backstage auf die Bühne darf natürlich auch nicht fehlen; wir wollen ja nicht, dass noch jemand verdurstet. Beim Musikstück Rockstar ist es dann an der Zeit, mutige Fans mit tolerierbarem Gesang auf die Bühne zu holen.

«’Cause we all just wanna be big rockstars
And live in hilltop houses, drivin‘ fifteen cars
The girls come easy and the drugs come cheap
We’ll all stay skinny ‚cause we just won’t eat»

Gefunden wird schnell ein zwölfjähriges Mädchen, dass schon die ganze Zeit das entsprechend selbstgestaltete Plakat in die Höhe hielt und siehe an: Den kompletten Song schmettert sie ohne auch nur einmal zu zögern ins Mikrofon und holt sich so das Publikum auf ihre Seite. Respekt.

Animals und die beiden Zugaben Gotta Be Somebody sowie Burn It To The Ground lassen dann wortwörtlich nichts mehr anbrennen. Die weiblichen und männlichen Groupies mit ihren beschrifteten Oberkörpern sind total am Ausflippen und beim letzten Lied hüpft der gesamte Stehplatzbereich im Takt mit!

«We’re going till the world stops turning –
While we burn it to the ground tonight»

Sänger Chad brillierte bei diesem Auftritt nicht nur mit seiner silbernen Glitzergitarre, sondern auch mit einem sehr starken Gesang und charismatischem Auftreten. Auch der Rest der Band meisterte diese Schweizer Show mit Bravour, so dass es wohl auch für mich zwar der erste, jedoch sicherlich nicht der letzte Auftritt von Nickelback war.

Setlist:

Feed The Machine
Woke Up This Morning
Photograph
Far Away
Something In Your Mouth
Someday
Lullaby
Figured You Out
Song On Fire
She Keeps Me Up
Million Miles An Hour
Rockstar
When We Stand Together
What Are You Waiting For
Animals
How You Remind Me
Gotta Be Somebody (Zugabe)
Burn It To The Ground (Zugabe)

Burn It To The Ground
8.8Gesamtpunktzahl
Bandauftritt9
Soundqualität7
Atmosphäre9
Publikum9
Organisation10
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