Ein ausverkauftes, sehr vielversprechendes Konzert: Bilderbuch am 11. Mai 2018 im Salzhaus in Winterthur. Nach dem letzten Mal am OpenAir St. Gallen 2017 hatte ich ziemlich Gefallen an der Band gefunden. Welch pure Selbstinszenierung und Coolness hoch 5’000! Man liebt sie oder eben nicht.

Leyya macht den Anfang, der Raum ist schon ziemlich voll. Die ruhige Stimme der Sängerin und die elektronische Begleitung ist ein perfektes Vorspiel für das, was danach kommt. Doch fehlt mir die Abwechslung in der Musik und die Bühnenpräsenz der drei Musiker ist für mich zu wenig spürbar. Mit der Hoffnung auf eine abwechslungsreiche Energiewende bleibe ich bis zum Schluss – doch ohne Befriedigung.

Nochmals raus an die frische Luft getreten und ein neues kühles Bier an der Bar geholt betrete ich wieder den Saal. Die Raumtemperatur ist um einiges in die Höhe geklettert und noch mehr Zuschauer haben sich vor die Bühne gezwängt. Bis nach vorne schaffe ich es nicht mehr und begnüge mich also mit einem Platz in der Mitte des Publikums. Mit einem Drumsolo und violettem Licht beginnt die Lasershow. Dann betritt der Rest von Bilderbuch die Bühne.

Die Frisuren sitzen

Die kurzen, einst wasserstoffblonden Haare von Maurice Ernst (Sänger) sind jetzt länger und schwarz. Auch Michael Krammer (Gitarrist) hat sich optisch verändert. Seine langen Haare sind einem kurzen Zackenmuster gewichen. Ja, Bilderbuch ist eine Band von vier Männern, doch die Blicke liegen nur auf diesen beiden, meine vor allem auf Mizzy Blue, wie sich der Gitarrist auch nennt. Er und seine Gitarre; auf der Bühne ein unzertrennliches Duo.

Maurice kündigt ihr neues Lied Megaplex an, welches von Kinos handelt und einen Hip-Hop-Groove mit sich bringt. Mich erinnert es an ihre Anfänge mit dem Album Nelken & Schillinge. Ein vielversprechendes Klangexperiment für ein neues Album..?

Ruhigere, langsamere Gitarrenchords setzen ein. Yes! Endlich, mein Lieblingslied – Baba! Hin und weg und dann hinterher noch Maschin – was für ein Set!
Ich peitsche wahrscheinlich meinen Publikumsnachbarn tausendfach die Haare ins Gesicht. Alle sind am Tanzen, mehrere Arme in der Luft; die Party im Salzhaus ist am Brennen. Nach über einer Stunde vollen Musikerlebnisses und ein paar ihren alten Hits wie Discokugel verlassen sie mit OM die Bühne und kommen, als ich schon fast heiser vom Schreien bin, wieder auf die Bühne zurück.

Poor Maurice!

Maurice erklärt, dass seine Stimme aufgrund Krankheit ein wenig lädiert sei, er aber eine Heilwirkung durch die Schweiz erfahren habe und zum ersten Mal zu einem „Bio-Mediziner“ gegangen sei. Der habe ihm eine Infusion mit fünfundsiebzig Orangen eingeflösst. Er sei jetzt richtig geil drauf, wie auf Drogen. Aber es seien ja eigentlich nur Früchte und er sollte deswegen nicht in die Hölle kommen.
„Nehmt’s was willst!“

Mit Babylon und einem lauten „Halleluja, Luja Halle“ verabschieden sich die Partymänner und mit ihnen auch ihre Lasershow.

Gute Besserung Maurice und auf ein baldiges Wiedersehen Bilderbuch! ❤

Mit fünfundsiebzig Orangen intus das Salz ausgeschwitzt!
8.2Gesamtpunktzahl
Bandauftritt10
Soundqualität7
Atmosphäre8
Publikum8
Organisation8
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