Die Besucher des Gurtenfestival 2018 wurden am Donnerstag früh von der Sonne geweckt. Entsprechend verschlafen sahen sie noch aus, als ich gegen 15 Uhr das Festivalgelände betrat.

Jacob Banks konnte eine erstaunlich grosse Menge bereits um zwei Uhr nachmittags vor die Hauptbühne locken, der ich zu dieser Zeit normalerweise eine Sauna vorziehen würde.

Die erste Band, die ich mir vollständig anhörte, waren The Cavers. Das Berner Indie-Folk-Americana-Trio existiert zwar erst seit 2016, wirkt aber bereits sehr bühnenfest. Auf die Frage, wer sie schon einmal gehört habe, schossen auch tatsächlich einige müde Hände in die Höhe. Vielleicht noch ein wenig einseitig, ist The Cavers für mich aber eine der hoffnungsvolleren Berner Nachwuchsbands, und ich bin überzeugt, dass sie nicht das letzte Mal am Gurtenfestival zu Gast waren.

Um 18 Uhr trat Two Door Cinema Club die Hauptbühne. Die nordirische Band, von der alle so geschwärmt hatten, fand ich eher langweilig. Kein Lied schien sich aufzubauen, zwischen Intro und Refrain konnte ich beinahe keinen Unterschied erkennen. Dafür, dass Irland normalerweise hervorragende Musiker hervorbringt, war mir dieses Trio einfach zu schwach.

Dazwischen gaben Lo & Leduc unter dem Namen Rumpelstilzchen ein kleines Konzert in der Bamboo-Bar. Der Geheimtipp war leider schon zwei Stunden vorher nicht mehr geheim und somit war in einem Radius von etwa vierzig Meter um die Bamboo-Bar an ein Durchkommen nicht zu denken. Diejenigen, die früh genug da waren um effektiv etwas vom Konzert mitzubekommen, fanden es jedoch sehr gut.

Die nächste Band, auf die sich alle wahnsinnig gefreut hatten, war Prophets of Rage. Die Besetzung ist auch ebenso aussergewöhnlich wie vielversprechend: Sechs Musiker aus den drei Erfolgsbands Rage Against the Machine, Cypress Hill und Public Enemy. Energie und Schlagzeug hämmern um die Wette, das Gurtenfestival tobt. Fazit: Wer sich für eine gelungene Mischung aus aggressivem Rock und kernigem Hip-Hop begeistern kann, dem wird bei Prophets of Rage das Herz aufgegangen sein.

Danach wollte Philippe Cornu unseren Ohren wohl etwas Entspannung gönnen, denn sowohl um 23 Uhr und 00.30 Uhr konnte man zwischen den eher gemütlichen Bands Oscar and the Wolf und Pablo Nouvelle respektive Kids Of Adelaide und Milky Chance wählen. Natürlich war es hier das deutsche Duo Milky Chance, welches die Mengen anzog, und das irgendwie auch zu Recht. Auch die Leute, die nur Stolen Dance kannten, riefen bei jedem zweiten Lied: “Diesen Song kenne ich!” Und das macht ja irgendwie immer glücklich. So gesehen: Auch Tag zwei des Gurtenfestival 18 hat seinen Auftrag mit Bravour erfüllt.

Güsche 2018 - Tag 2: Rumpelstilzchen ein neuer Geheimtipp?
8Gesamtpunktzahl
Line-Up7
Soundqualität8
Atmosphäre8
Publikum8
Organisation9