Es ist Freitag der 03. November 2017, der Tag an dem Casper sein Konzert in der Samsung Hall nachholte, nachdem er den Albumrelease um ein ganzes Jahr verschoben hat, weil er damit nicht zufrieden war. Dem Perfektionisten Casper freie Hand zu lassen, hat sich gelohnt.

Ein Artikel von Gastautor Fabian Ott

Ich habe Casper schon einige Male live gesehen. Zwar noch nie an einem Festival wie das Open Air St. Gallen oder das Open Air Frauenfeld, dafür an den Musikfestwochen in Winterthur. Die kleinen Clubshows waren immer besonders sehenswert. Das erste Mal im Exil, danach im grösseren Komplex 457 und letztes Jahr im Dynamo.

Am Freitag besuchte ich nun das erste Mal die Samsung Hall in Dübendorf und gleichzeitig spielt Casper alias Benjamin Griffey, die grösste Schweizer Headliner Show. Dank seines Instagram Accounts konnte ich von seinen Proben bereits vor dem Auftritt einige Show- und diverse Bühnenelemente sehen, trotzdem war die Show immer noch atemberaubend.

Die Songs vor seinem Konzert in der Halle waren auch sehr interessant für ein Hip-Hop Konzert. Von Tom Petty’s Learn to Fly über Mani Matter (ich kannte das Lied nicht), bis hin zu Queen’s Bohemian Rhapsody lief alles. Obwohl das Publikum eher jung war, kannten die meisten die Songtexte dazu, was mich überraschte.

Abahachi zu Besuch bei Casper

Als der schwarze Vorhang fiel und ein weiterer Vorhang mit dem Cover seines lang ersehnten Albums Lang Lebe Der Tod hervorbrachte, wurde das Gekreische dann doch extrem laut. Das löste sich auch nicht auf, als auch dieser  Vorhang fiel und das Intro begann. Meine Begleitung kam nach kurzem nachdenken darauf, dass es sich nach der Titelmelodie von „Der Schuh des Manitu“ anhörte. Die Bühne wirkte dafür weniger wie ein Italo-Western. Viel mehr sah sie aus, wie ein Raumschiff mit heruntergelassener Rampe, aus der Rauch entkam.

Man hätte es erahnen können. Casper kam diese Rampe runter zu dem Opener Alles ist erleuchtet. Gleich darauf folgte der Opener der letzten Touren, Im Ascheregen. Die Live-Band,  welche immer dabei ist, (nicht selbstverständlich für einen Rap-Künstler),  machte einen sehr guten Job, auch die Akustik in der Halle hat mich nicht enttäuscht, die Gerüchte stimmen also: Die Samsung-Hall hat eine gute Soundqualität.

Von oben kam er geflogen

Den Höhepunkt der Performance erreichte das Konzert klar, als Casper auf einer Schwebebühne geflogen kam und Sirenen zum Besten gab, während auf der Leinwand Naturfilme und Feuer-Visuals zusehen waren.

Casper blieb auf dieser Schwebebühne und hing gleich noch Morgellon an. Die Bühne ging zurück und Die letzte Gang der Stadt wurde von  einem seiner Gitarristen gestartet, gefolgt von Ganz schön ok, Hinterland und So Perfekt. Auch eines meiner persönlichen Lieblingslieder fehlte nicht: Michael X, eine Widmung an einen verstorbenen Jugendfreund. Danach verliess Casper die Bühne und die Band spielte den Schluss alleine zu Ende.

Als Blut Sehen einfach aus dem nichts kam und Casper plötzlich beim FOH (Front Of House/Mischpult) stand und von dort die Show weitermachte, bewegten sich die Zuschauermassen in diese Richtung. Casper feuerte gleich anschliessend –  ebenfalls vom Mischpult aus – Mittelfingerhoch ab, wohl eine Abrechnung mit seinen Hatern.

Mit Meine Kündigung und Lang Lebe Der Tod beendete der häufig auch als Emo-Rapper bezeichnete Casper vorläufig das Set und verliess mitsamt Band die Bühne.  Natürlich kam noch eine Zugabe. Denn ich weiss, Casper  verabschiedet sich immer von seinen Fans und ist denen auch sehr dankbar.  Mit Keine Angst, Jambalaya und Flackern, flimmern wurde das komplette Set abgeschlossen.

Mehr als Hip-Hop

Mein Fazit: Das neue Album von Casper ist sehr speziell und hat viele überraschende Elemente von diversen Stilrichtungen enthalten. Casper ist mehr als Hip-Hop. So finden sich immer wieder Singer-Songwriter, Indie-Rock und Heavy-Metal Elemente in seinen Songs. Casper hatte wie immer Spass und Freude auf der Bühne und ist ein top Animateur! Eine lange und gute Show, Casper lohnt sich immer wieder!

 

Das Warten hat sich gelohnt
8.2Gesamtpunktzahl
Bandauftritt8
Soundqualität9
Atmosphäre8
Publikum7
Organisation9