Am 15. Oktober 2017 wurde das Konzertlokal Z7 von schottischen Piraten geentert. Alestorm befindet sich auf ihrer No Grave But the Sea Welttournee und läuft unaufhaltsam in unsere heimischen schweizerischen Gewässer ein. Wie echte Piraten wohl von Nahem aussehen?

Ein weiter Weg zum Z7

Es ist ein schöner Sonntagabend und ich befinde mich auf meiner zweistündigen Zugfahrt nach Pratteln. Für Alestorm bin ich bereit noch viel mehr auf mich zu nehmen – dachte ich im Zug und wusste zu dieser Zeit noch nicht, dass mein Weg tatsächlich noch viel länger dauern würde. Etwas orientierungslos stand ich dann in Pratteln am Bahnhof und sah drei schwarz gewandete Menschen an mir vorbeiziehen. Zielstrebig folgte ich Ihnen – leider in die falsche Richtung. So wurde es halb neun, bis wir endlich das Z7 erreichten und ich hatte sechs neue Saufkumpane.

Ein Latex-Superman und Piraten – alles ist möglich

Im Z7 spielte bereits die zweite Vorband, namentlich Troldhaugen. Lasst es mich so erklären: Laut dem Internetforum Metal Archives spielt die Band Troldhaugen eine Mischung zwischen Folk-Metal und Avant-Garde Metal. Meine Wahrnehmung der Band beschränkt sich auf das Optische. Ich war komplett abgelenkt von dem Sänger, der im Latex-Superman-Anzug auf der Bühne vor sich hin hopste. Ebenfalls ablenkend war seine Bauchtasche, die ich erst für Windeln gehalten habe. Nach Troldhaugens Auftritt bleibt mir die Erkenntnis, dass ich seine Kunst / Message wohl nicht verstanden habe. Als Vorband der Piratenband schlechthin, hätte ich etwas stimmigeres erwartet.

Von Enten und Bier

Als die überdimensionale Badeente auf der Bühne installiert wurde, stieg die Vorfreude auf Alestorm. Um 21.30 Uhr war es Zeit für Alestorm die Enterhaken auszuwerfen und die Bühne zu stürmen. Der erste Song Keelhauled schlug bei den Metal-Fans ein und die Stimmung war am kochen. Es folgten weitere Klassiker wie Mexico for Dogs, Nancy the Tavern Wench und Shipwrecked. Alestorm überzeugt mit hymnischen Keyboardmelodien und Power/Folk-Metal. Eigentlich stört mich nur eine Kleinigkeit an dem Auftritt der 2008 umbenannten Band. Auf der Bühne sind sie ganz normal gekleidet – ohne typischen Piratenaccessoires. Von einer Band, deren Texte fast ausschliesslich die Piraten besingen, hätte ich mehr und eine passendere Bühnenshow erwartet. Trotzdem verging die Zeit wie im Flug und leider musste ich das Konzert bereits vor dem Ende verlassen, um meinen letzten Zug nach Hause zu erwischen.

Berauscht von True Scottish Pirate Metal mache ich mich auf den Heimweg und ich bin froh, haben Alestorm noch ein wenig Bier für das Publikum übriggelassen. Die Musik war mitreissend und richtig gut gespielt, auf der Bühne fehlte mir etwas Piratenfeeling. Sollten Alestorm wieder einmal ihre Segel Richtung Schweiz hieven, bin ich auf jeden Fall dabei. Zum Schluss noch ein kleines Wort des Dankes an die sechs Alestorm-Fans, die mich sicher zum Z7 und gut mit Bier und Met durch den Abend geleiteten.

Piraten ahoi
8.7Gesamtpunktzahl
Bandauftritt8.9
Soundqualität9.2
Atmosphäre8.7
Publikum8.7
Organisation8.2